Viele von euch haben es bestimmt bereits mitbekommen: Es gab Ende Juni neuere Entwicklungen zu Entfristungen neben der Professur − unabhängig von der nach wie vor ausstehenden WissZeitVG-Novelle: Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), bzw. genauer die Mitgliedergruppe der Universitäten innerhalb der HRK, hat zusammen mit der Jungen Akademie „Leitlinien für unbefristete Stellen an Universitäten neben der Professur“, verabschiedet. Damit erkennen die Universitäten erstmals in ihrer Gesamtheit den Bedarf an zusätzlichen Dauerstellen neben der Professur an und beschreiben zusammen mit der Jungen Akademie konkret drei Kategorien, die sie in dieser Form für sinnvoll halten: Lecturer (mit maximal zwölf Semesterwochenstunden Lehre), Researcher (acht SWS) und Academic Manager (vier SWS).
Die beste Einordnung und Kommentierung hierzu lieferte meines Erachtens (wieder einmal) der Wissenschaftsjournalist Jan Martin Wiarda: https://www.jmwiarda.de/2024/06/24/euphorie-und-wirklichkeit/. Kurz gefasst lautet seine Einschätzung: Die Leitlinien wecken zwar einerseits Hoffnungen bei Gewerkschaften und Initiativen, andererseits bewegen sich die politischen Realitäten in eine andere Richtung (insbesondere mit dem nicht erkennbaren Einsatz des BMBF in den Bundes-Haushaltsverhandlungen). Zu profunden Einschätzung Wiardas vermag ich daher kaum noch sinnvoll etwas zu ergänzen.
Höchstens ist aus meiner Sicht zusätzlich an dem HRK-Papier zu bemängeln, dass sie die Latte der Lehrqualifikation für „Lecturer“ mit der Formulierung „Abschluss einer hochschuldidaktischen Weiterbildung“ (d.h. im Klartext: irgendeiner, also auch z.B. eine zweistündige) sehr niedrig legen, anstelle die Vorarbeiten z.B. der DGHD (siehe www.dghd.de) zu
Mindestanforderungen dafür und entspr. zertifizierte hochschuldidaktische Weiterbildung aufzugreifen. Und dass sich die HRK auch bzgl. Einstellungsvoraussetzungen für „Academic Manager“ beredt ausschweigt, obwohl es auch hierzu durchaus konzeptionelle Vorarbeiten gibt, so u.a. die Lessons Learned Paper von Janson und Ziegele (siehe z.B. https://kawum-online.de/wp-content/uploads/2022/09/LLP_TW4_Curriculumsentwicklung_FIN09-1.pdf).
Dr. René Krempkow ist THESIS-Referent für Hochschulpolitik.
Kontakt: politik [at] thesis [dot] de (politik[at]thesis[dot]de)